15.06.2026
YOUNG MISSION

Was Greta über Scheitern lernt

Beim YOUNG MISSION-Weekend in Dortmund entdeckt die 14-Jährige neue Perspektiven für ihr Leben

von Tobias Schulte

Wird es so gut, wie alle erzählt haben? Das fragt sich Greta Ziehr. Sie ist 14 Jahre und kommt aus Korbach. Sie ist Messdienerin und bei vielen Fahrten und Aktionen dabei, die ihr Dekanat anbietet. Nur für YOUNG MISSION war sie bisher immer zu jung.

Von den Weekends haben ihr ihre Freundinnen schon viel erzählt: von der Musik und der besonderen Lichtstimmung in den Gottesdiensten, von der Offenheit der Teilnehmenden und von der Ruhe im Gebet.

Jetzt ist Greta endlich alt genug. Zum ersten Mal fährt sie mit. Und erlebt direkt ein besonderes Weekend: YOUNG MISSION findet am 13. und 14. Juni 2026 auswärts statt – in Dortmund.

Greta Ziehr aus Korbach

Mit dem Zug fährt die Gruppe aus dem Dekanat Waldeck von Korbach nach Dortmund-Kurl.

Rund 100 Teilnehmende kommen dort zusammen. Einige trinken alkoholfreie Cocktails, andere spielen Cornhole, holen sich etwas am Foodtruck oder machen bei den Welcome-Aktionen zum Thema FUTURE mit. Greta und ihre Freundinnen schreiben eine Bucket List für das kommende Jahr.

Doch an dem Abend soll es nicht beim Blick auf die eigenen Zukunftspläne bleiben. YOUNG MISSION lebt davon, dass man sich über ein Thema mit anderen austauschen, zuhören und es vor Gott bringen kann. Deswegen geht es für Greta gegen 19 Uhr in die Kirche.

Vom Gefühl, gescheitert zu sein

Als erstes heißt für Greta: Zuhören und inspiriert werden. Theologie-Studentin Aenna erzählt ihre Glaubensgeschichte, die zeigt, dass zur persönlichen Geschichte oft Umbrüche gehören.

Bevor sich Aenna für ein Studium entscheidet, will sie erstmal ein FSJ machen. Neun Monate. In Mosambik. Doch schon nach einem Monat muss sie wegen einer Terrorwarnung das Land verlassen.

Aenna (rechts) erzählt ihre Glaubensgeschichte mit Umbrüchen.

Die große Abschiedsparty für sie in der Heimat ist nur ein paar Wochen her. Und plötzlich ist sie wieder zuhause.
Aenna fühlt sich lost. Sie hat keinen Plan, was sie jetzt machen soll. 

Und obwohl sie dafür nichts kann, dass das FSJ abgebrochen werden musste, hat sie das Gefühl, gescheitert zu sein. Als hätte sie es nicht geschafft, wovon sie so lange geträumt und so vielen Leuten erzählt hat.

„… dann gibt’s auch kein Scheitern.“

Die zweite plötzliche Wendung erlebt Aenna auf dem Jakobsweg. Nach den ersten Etappen hat Aenna starke Schmerzen. Sie zieht bis kurz hinter der spanischen Grenze durch, doch sie spürt: Sie kommt an ihre Grenzen. Sie muss abbrechen. 

Aenna fühlt sich schon wieder so, als hätte sie versagt. Doch als sie noch auf dem Jakobsweg in einer Kirche irgendwo in Spanien sitzt und mit Gott darüber spricht, spürt sie auf einmal: Es ist okay.

Seitdem kann die Studentin anders auf Gott vertrauen. Sie sagt: „Ich habe gespürt, dass der Weg das Ziel ist und nicht das Ziel das Ziel ist. Und wenn der Weg das Ziel ist, dann gibt es auch kein Scheitern“.

Wenn Scheitern einen Grund hat

Greta erkennt sich in Aennas Geschichte wieder. „Ich kenne das Gefühl, zu denken, dass ich gescheitert bin – und später festzustellen: Das hatte einen Grund.“

Greta denkt dabei als Erstes an die Schule. „Wenn eine Arbeit nicht so gut war“, sagt sie. „Da fühle ich mich erstmal schlecht, aber im Endeffekt ist es nicht so entscheidend, wenn eine Note mal nicht so gut war. Das macht mich als Menschen ja nicht aus.“ 

Gedanken wie diese nimmt Greta mit in den nächsten Programmpunkt des Abends – die Vigilfeier. Ein Gottesdienst mit viel Musik, Kerzenlicht und Ruhe.

"Noch nie so einen schönen Gottesdienst erlebt"

Die Lieder kennt Greta schon. Die Lesung mit dem Zitat „Warum macht ihr euch solche Sorgen“, spricht sie an. Doch in der Stille bei der Anbetung muss sie erstmal ankommen.

„Es war am Anfang komisch, mich nur mit Gott zu beschäftigen, als alles leise war. Aber mit der Zeit habe ich mich geöffnet. Ich habe versucht, meine Gedanken zu sortieren und wahrzunehmen, was gerade in mir los ist. Das hat sich gut angefühlt.“

Greta spricht dabei nicht direkt zu Gott, aber sie glaubt: „Was ich jetzt denke, das weiß Gott. Das kommt bei ihm an.“ 

Nach der Vigilfeier sagt Greta: „Es war richtig schön. Ich habe noch nie so einen schönen Gottesdienst miterlebt.“

„Das ist eine Nummer zu groß für mich.“

Der nächste Morgen. Der nächste Gottesdienst. Nach der Nacht im Schlafsack und dem Frühstück im Pfarrheim feiert Greta die Heilige Messe am Sonntagmorgen mit. 

Wieder findet Greta die Stimmung schön. Sie fühlt sich durch die Worship-Lieder wohl, erkennt sich in den Texten wieder und hört zu.

Diesmal predigt Diözesanjugendpfarrer Tobias Hasselmeyer über das Evangelium, in dem Jesus seine zwölf Jünger auswählt und sie auf eine besondere Mission schickt: „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“ (Mt 10, 7-8). 

Hasselmeyer sagt: „Ich kann mir gut vorstellen, dass die Jünger dachten: Kranke heilen? Tote aufwecken? Aussätzige rein machen? Jesus kann das, aber ich? Nee, das ist eine Nummer zu groß für mich.“

„… dann soll’s vielleicht so sein.“

Kann ich? Soll ich? Will ich? Habe ich den Mut? „So wie die Jünger kommen auch wir immer wieder an Punkte, an denen wir uns das fragen“, sagt Hasselmeyer. „Wenn es um den Beruf geht, um Freundschaften und Beziehungen“.

Nach der Realschule schien ihm der Weg zum Priestertum lange nicht erstrebenswert und von den Anforderungen her unerreichbar: Abitur machen, studieren, anderen vom Glauben erzählen. Deshalb begann er zunächst eine Ausbildung zum Konditor.

Doch als das Thema immer wieder aufkam, fragte er sich: „Warum habe ich Angst, dass das eine Nummer zu groß sein könnte?“ Er hat mit seinen Eltern darüber gesprochen. Und ein Satz seines Vaters hat ihm Mut gemacht: „Versuch’s doch erstmal mit dem Abitur – und wenn das klappt, dann soll‘s vielleicht so sein.“

„So entsteht der eigene Weg.“

Hasselmeyers Botschaft ist: Mutig sein und etwas einfach mal probieren. „Und wenn wir dann an einen Punkt kommen, wo es nicht weitergeht, dann geht es rechts oder links davon weiter“, sagt er. „So entsteht der eigene Weg, auf dem Gott etwas Großartiges mit uns vorhat.

Was Hasselmeyer beschreibt, klingt für Greta überraschend vertraut. Sie ist letztens erst an einen Punkt gekommen, an dem sie nicht weiterwusste. Sie hatte viele kleine Meinungsverschiedenheiten mit ihrer besten Freundin, die zu einem Streit geführt haben. 

Sie sagt: „Da habe ich mich gefragt, ob ich das Problem bin“. Und: „Ich habe jetzt zwar keinen Kontakt mehr zu meiner vorher besten Freundin, aber ich habe neue Freunde gefunden, die mich bei allem unterstützen und mir Hoffnung geben.“

Die Erfahrung hat Greta gezeigt, dass aus schwierigen Situationen auch etwas Gutes entstehen kann. Dieses Vertrauen prägt auch ihren Blick auf die Zukunft. Beruflich hat sie bereits einen Wunsch: Altenpflegerin werden.
„Ich finde es schön, alten Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“, sagt sie. „Viele werden im Alter einsam. Für sie da zu sein, ist etwas Schönes.“