Hier liegt noch Schnee? Als Paul Tillmann aus Sundern beim YOUNG MISSION-Weekend ankommt, überrascht ihn die Winterlandschaft des Jugendhauses Hardehausen. Auf den Dächern und den Rasenflächen ist noch eine weiße Schicht, die die Stimmung auf wohlig stellt und das innere Tempo drosselt.
Wie Paul sind 170 junge Menschen zum YOUNG MISSION-Weekend gekommen. Paul ist zum ersten Mal da. Sein Kumpel Gabriel, der Teamer bei YOUNG MISSION ist und noch eine Mitfahrgelegenheit brauchte, hat ihn dazu motiviert, mal mitzukommen.
Das Motto des Weekends ist „PRESENT“. Gegenwart, hier und jetzt, voll im Moment leben. Wie ein Tag im Schnee?
Samstagnachmittag, 16:30 Uhr. Während in der Bundesliga gerade die zweite Halbzeit beginnt, gehen Paul und Gabriel in die Turnhalle des Jugendhauses. Das YOUNG MISSION-Weekend beginnt mit einer Welcome-Phase.
Paul schlürft einen alkoholfreien Cocktail und kommt mit den ersten neuen Leuten ins Gespräch, die seinen Kumpel kennen. Dann: Speed-Dating, Kennenlern-Bingo und Austausch in einer Kleingruppe. Paul hilft das, die nächsten Leute kennenzulernen. Und sich auf das Thema einzustimmen: PRESENT.
Wann fällt es Paul leicht, präsent zu sein? „Beim Sport“, sagt er. Paul macht Calisthenics und Krafttraining. Er ergänzt: „Präsent bin ich auch, wenn ich ein ernsthaftes Gespräch mit Gott führe.“ Das macht er meist drei Mal am Tag. Morgens, abends und tagsüber, wenn er für ein kurzes Gebet in die Kirche geht. Die ist passenderweise direkt neben dem Fitnessstudio.
„Aber grundsätzlich fällt es mir schwer, präsent zu sein“, sagt Paul. „Überall ist Ablenkung, du kommst nie zur Ruhe. Selbst wenn ich mich auf etwas konzentrieren will, kommen viele Gedanken.“
Nach der Pizza zum Abendessen geht’s in die Kirche. Paul bekommt eine Kerze und sucht sich einen Platz. Durch die großen Fensterscheiben hüllt die Dunkelheit die Kirche wie mit Vorhängen ein. Die Worship-Musik der Band hilft beim Ankommen. Im Hier und Jetzt. Bei Gott.
Die Vigilfeier beginnt. Erst ist es dunkel, dann wird das Licht der Osterkerze an die 170 Teilnehmenden weitergegeben. Sie singen zusammen, beten Psalmen, hören das Wort Gottes.
In der Lesung erlebt Paul, wie Gott Mose im brennenden Dornbusch begegnet. Wie Gott sagt: „Ich bin der ICH BIN.“
ICH BIN. Gott ist also pure Präsenz?
Ihren Höhepunkt erlebt die Vigilfeier, wenn es ganz still wird. Wenn Jesus im Allerheiligsten da ist. Wenn alle Blicke und Gedanken sich auf ihn fokussieren.
Paul erlebt diese Zeit als eine angenehme Stille. Er hat den Geruch von Weihrauch in der Nase. Er schließt die Augen, öffnet die Augen und spürt das warme Kerzenlicht im Gesicht.
Pauls Gedanken wandern in seine Zukunft. „Ich überlege noch, wie ich dieses Jahr gestalten möchte“, sagt er. Nach der Ausbildung zum Elektroniker ist er gerade übergangsweise selbstständig. Ab August hat er für einen Friedensdienst unterschrieben. „Da habe ich dafür gebetet, dass mich Gott dahin sendet, wo es mir persönlich am meisten bringt“, sagt Paul.
Wahrscheinlich wird er nach Lateinamerika gehen, erzählt Paul. „Aber wohin genau, das möchte ich in Gottes Hand legen“.
Über drei Stunden sind Paul und die Teilnehmenden von YOUNG MISSION an diesem Samstagabend in der Kirche. Nach der Anbetung ist noch Zeit, zu bleiben. Die Band spielt weiter. Die Kerzen flackern noch. Doch das Hier und Jetzt ist keine Ewigkeit. Alles beginnt und endet.
Bei YOUNG MISSION folgt für Paul die Party im Kornhaus. Er quatscht mit Gabriel und vielen anderen „liebenswerten Menschen“, wie er sagt, geht kurz auf den Dancefloor und dann ins Bett. Er will zum Frühschwimmen am nächsten Morgen.
Mehr oder weniger ausgeruht sehen sich Paul und die 170 Teilnehmenden am Sonntagmorgen in der Kirche wieder. Heute morgen heißt es: zuhören und lernen. Auf der Couch, die jetzt im Altarraum steht, nehmen YOUPAX-Redakteur Tobias Schulte und ein besonderer Gast Platz: Abt Mauritius. Er leitet seit kurzem das Benediktinerkloster Maria Laach in der Eifel und sagt: „Ich liebe es, zu warten.“
„Im Hier und Jetzt zu sein – das geht immer“, versichert Abt Mauritius. „Auch beim Hausaufgaben machen oder beim Warten. Ich liebe es, zu warten. Das ist eine geschenkte Zeit“. Wenn er wartet, nimmt er einen kleinen Rosenkranz aus der Tasche, betet und ist bei Gott.
»Ein Stoßgebet hilft, weil einen das in die Gegenwart bringt. Statt langem Gedankenkreisen, lasse ich etwas raus und der liebe Gott kann etwas damit machen.“ .«
Abt Mauritius
Ein anderer Tipp, um sich und Gottes Präsenz ins Hier und Jetzt zu holen: das Stoßgebet. Spontan aussprechen, was gerade in einem los ist. Zum Beispiel: Hilf mir. Gott, wie soll ich das schaffen? Das ist mir gerade zu viel. Schenk mir Geduld. Oder einfach nur: Gott, darauf habe ich gerade keinen Bock.
Der Abt sagt: „Das hilft, weil einen das in die Gegenwart bringt. Statt langem Gedankenkreisen, lasse ich etwas raus und der liebe Gott kann etwas damit machen.“
Wiederholung. Diesen weiteren Tipp von Abt Mauritius nimmt Paul besonders mit. „Wenn ich die Bibel lese oder das Vater Unser bete und abschweife, kann ich wieder von vorne beginnen, um bewusst zu beten“, sagt Paul. „Diese Wiederholung kann mir Sicherheit geben“.
Bevor Paul ausprobieren kann, wie diese Tipps in seinem Alltag wirken, steht als Abschluss des Weekends die Heilige Messe an. Die Kirche ist voll, die Musik feierlich. Energie ist im Raum.
Zeit, für Abt Mauritius in der Predigt einen weiteren Gedanken zu setzen. Er sagt: „Um gegenwärtig zu sein, braucht man ein Gegenüber“. Und: „Das feiern wir in der Eucharistie: Jesus ist real da. Ich kann ihn berühren, anfassen, essen.“
Gegenwart braucht ein Gegenüber. Auch das nimmt Paul als Inspiration vom YOUNG MISSION-Weekend mit nach Hause. Zusammen mit dem Gefühl dieser angenehmen Stille der Vigil. Und der Erfahrung, dass er an diesen beiden Tagen mit vielen Leuten leicht ins Gespräch gekommen ist.
Dann fährt Paul wieder nach Hause. Raus aus dem Schnee von Hardehausen.