Just do it! Das Motto des Weekends auf einem Schlüsselanhänger.
Just do it! Das Motto des Weekends auf einem Schlüsselanhänger.
22.09.2019

Übersicht Weekends

Für den Glauben begeistern? Just do it!

15. YOUNG MISSION Weekend und fünfjähriges Jubiläum der jungen Glaubensinitiative

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von Tobias Schulte

Es hätte genug Gründe gegeben, zurückzuschauen. 280 Jugendliche und junge Erwachsene feierten am Samstag und Sonntag das 15. YOUNG MISSION-Weekend im Jugendhaus Hardehausen. In fünf Jahren haben sich bei der jungen Glaubensinitiative über 3500 junge Menschen von Gott berühren lassen. Doch der Blick nach vorn prägte die Jubiläumsfeier. Es stand die Frage im Mittelpunkt: Wie können wir noch mehr junge Menschen vom Glauben begeistern? Wie können wir im Erzbistum Paderborn eine junge, dynamische Kirche aufbauen?

Eine Antwort darauf gab Jugendpfarrer Stephan Schröder anhand des neuen Logos von YOUNG MISSION – dem Herz. Die Voraussetzung für Mission sei, dass das Herz berührt werde. Dass es von Gott voll sei. Genau da setzt die junge Glaubensinitiative seit fünf Jahren an. Sie gibt eine Gemeinschaft im Glauben. Statt 70 Teilnehmer wie bei den ersten Veranstaltungen, kamen diesmal 280 Jugendliche und junge Erwachsene ins Jugendhaus Hardehausen.

Messdiener ziehen in die Kirche ein.
Erzbischof Hans-Josef Becker unterzeichnet eine Schriftrolle.

Das Programm des Wochenendes blieb über die Jahre recht konstant: Willkommen in lockerer Atmosphäre, die Lichterfeier Vigil, die Party am Samstag sowie Glaubensgespräche und die Heilige Messe am Sonntag. „YOUNG MISSION ist ein Ort, an dem ich im Glauben wachsen kann“, sagte Lukas Berting (24) aus Neheim. „Besonders die Vigilfeier hat unglaublich viel Kraft gegeben“. In der Feier erleuchten nur noch punktuell wenige rote LED-Strahler und Hunderte kleine Kerzen die Kirche. Die Band singt Worship-Lieder die „ein Gefühl der Geborgenheit“ vermitteln, wie es Sänger Jacob Heemann (20) nennt. Jesus Christus wird in der Monstranz ausgesetzt. Es folgt komplette Stille. Zeit, ganz tief in den Gedanken zu versinken. Fragen zuzulassen. Zu beten. 

„Ich habe darüber nachgedacht, dass ich in meinem Leben so schnell im Alltag versinke“, sagte Lukas Berting. „Hier konnte ich runterkommen und mich auf den Glauben konzentrieren. Daraus schöpfe ich viel Mut und Energie.“ In Zeiten, in denen die Kirche oft als „alt“ oder „tot“ bezeichnet wird, fließen in der Vigilfeier Tränen der Rührung. Jugendliche stellen sich an, um mit Priestern ein Gespräch zu führen, sich segnen zu lassen oder das Sakrament der Versöhnung zu empfangen. Erzbischof Hans-Josef Becker feierte die Vigil mit und suchte zum Anfang seiner Ansprache nach Worten. Er blickte in die Gesichter der Jugendlichen und sagte: „Das ist ein Geschenk.“ Er versicherte, dass Gott immer da sei. „Das heißt auch, dass er immer jung ist.“

Neue Willkommenskultur!

Um mehr Menschen zu erreichen, forderte der Erzbischof eine neue Willkommenskultur in der Kirche – mit Menschen, denen die Freude am Glauben im Gesicht abzulesen sei und die davon erzählten. Um den Worten beim YOUNG MISSION-Weekend auch Taten folgen zu lassen, unterzeichnete Becker als erster eine Schriftrolle. Darauf steht jeder mit seinem Namen dafür ein, dass er Jesus Christus in seinem Leben bezeugt. Während die einen die Schriftrolle signierten oder im Ausklang der Vigil noch in der ruhigen, entschleunigenden Atmosphäre der Kirche verweilten, gingen die anderen rüber zur Party. Maria Matyssek (14) aus Bielefeld sagte: „Nach der Stille tat es richtig gut, zusammen zu lachen und zu tanzen.“

Wie kann das Motto „Just do it!“ umgesetzt werden? Mit dieser Frage setzte sich am Samstag zuvor der Soester Propst Dietmar Röttger in der Katechese auseinander. Aus seiner Zeit in den USA brachte er dazu eine indianische Weisheit ein, die besagt, dass jeder Mensch zwei Wölfe in sich wohnen hat. Der eine sei böse und kämpfe mit Ärger, Neid, Eifersucht und Angst. Der andere sei gut und kämpfe mit Liebe, Freude, Frieden und Hoffnung. „Beide leben im Inneren des Menschen und wirken sich nach Außen aus“, sagte Röttger. „Siegen wird der Wolf, den wir mehr füttern.“ Wer das Gefühl habe, keine Zeit zu haben, für den komme es darauf an, zu schauen, was einem wichtig sei.

Am nächsten Morgen standen vor allem Gespräche über den Glauben an. Bevor zwei Glaubenszeugen interviewt wurden, trafen wir Dominik Fust aus Hövelhof in der Kirche. Er ist zum dritten Mal zu YOUNG MISSION gekommen. Auf das Motto „Just do it!“ angesprochen, sagte er: „Ich würde gerne quer durch Deutschland wandern. Wandern bedeutet für mich Freiheit, und jeden Tag etwas Neues zu sehen.“ Im weiteren Gesprächsverlauf beschrieb er das Gefühl, dass alle Teilnehmer bei YOUNG MISSION geistesverwandt seien. Er begründete: „Egal ob beim Essen, in der Kirche oder bei der Party im Kornhaus – man kommt immer mit neuen Menschen ins Gespräch.“

Es ist ein Gefühl, dass Robert Kenter gut teilen kann. Der gebürtige Kölner hat ein Jahr lang ein Freiwilliges Soziales Jahr im Jugendhaus absolviert – bald beginnt er, Elektrotechnik zu studieren. Er war einer von zwei Glaubenszeugen, die vor den 280 Jugendlichen und jungen Erwachsenen über ihr Leben und die Beziehung zu Gott sprachen. Die vielen Menschen, die er in der Kirche kennengelernt habe, dazu seine Familie und Freunde, bildeten für ihn eine Art Netz, das ihn auffange, wenn etwas schiefgehe. „Ich weiß, dass ich immer wieder neu anfangen kann. Daraus schöpfe ich Kraft, jetzt loszulegen und nicht zu viel darüber nachzudenken, was passieren könnte.“

Sachen stehen und liegen lassen

Wer um Hilfe bittet, dem wird geholfen – diese Regel diente Martin Kolek stets als Sicherheit, als er gemeinsam mit Freunden auf einem Segelschiff den Atlantik überquerte. Es sei im Seerecht festgelegt, dass ein Boot, dass das Signal „Seenot“ funke, von Schiffen in der Nähe unterstützt werde. Dieses Gefühl der Sicherheit war der Grund, dass der 52-Jährige sich auf eines der größten Abenteuer seines Lebens aufgemacht hat. Im Jahr 2016 heuerte er als Erster Offizier von Kapitänin Carola Rackete auf der „Sea-Watch-3“ an – um Flüchtlinge auf dem Mittelmeer aus Seenot zu retten.

Bei dieser Mission half er innerhalb von wenigen Tagen über 600 Menschen. Gleichzeitig musste er Dutzende Jugendliche borgen, die ertrunken waren. Besonders nah ging ihm der Moment, als er einen ertrunkenen Säugling aus dem Wasser hab. „Das war eine ganz große Leere in mir“, beschreibt er seine damalige Gefühlslage. Er habe gespürt, dass Gott auch in diesem hochemotionalen Moment da war. „Er hat uns gezeigt, dass es richtig ist, dass wir den Menschen helfen. Wenn wir es nicht getan hätten, wäre niemand da gewesen.“

Zwei berührende Statements, die zum Nachdenken und Austausch anregten. Das wurde durch dreißig Gesprächsgruppen aufgegangen, bei denen sich die Jugendlichen und Jugendlichen und jungen Erwachsenen über die Botschaften von Robert Kenter und Martin Kolek unterhielten. „Es hat aufgerüttelt“, sagte Alexander Sieler (32) aus Lennestadt, „ermutigt, Sachen stehen und liegen zu lassen, um sich für etwas Größeres einzusetzen.“ Andererseits sei auch deutlich geworden, dass es manchmal Menschen brauche, die andere mitziehen.

Der Höhepunkt des YOUNG MISSION-Weekends ist auch gleichzeitig das Ende – das hat sich auch in den fünf Jahren nicht geändert. Zum Abschluss feierten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen gemeinsam die Heilige Messe. „In der Eucharistie dürfen wir erfahren, dass Gottes Herz auch für uns brennt“, lud Stephan Schröder ein. Mit dem Abschluss des Weekends kam zwangsläufig die Frage auf: Was bleibt? Die Antwort hatte sich schon durch das ganze Wochenende gezogen: der Auftrag, das Gefühl von YOUNG MISSION zu transportieren. Die Mission, andere junge Menschen zu begeistern. Als ein Werkzeug dafür wird eine Christus-Ikone, die Erzbischof Hans-Josef Becker gesegnet hat, in die Pfarreien des Erzbistums Paderborn gesendet. Außerdem wird die Gruppe YOUNG MISSION NOW verstärkt junge Glaubensangebote vernetzen und anbieten. Zeit, nach vorne zu blicken und anzupacken. Just do it!